Vermarktung vor Ort als richtiger Weg

BSE und Maul- und Klauenseuche haben mittlerweile auch den Letzten wachgerüttelt. Und so ist es kein Zufall, dass sich in Hamminkeln in der vergangenen Woche zwölf Landwirte zusammengetan haben, um eine Erzeugergemeinschaft zu gründen - so wie es die auch für den Verbraucherschutz zuständige Ministerin Bärbel Höhn gerne sieht.

05.04.01 – von J. Bartsch, Quelle: NRZ –

BSE und Maul- und Klauenseuche haben mittlerweile auch den Letzten wachgerüttelt. Und so ist es kein Zufall, dass sich in Hamminkeln in der vergangenen Woche zwölf Landwirte zusammengetan haben, um eine Erzeugergemeinschaft zu gründen - so wie es die auch für den Verbraucherschutz zuständige Ministerin Bärbel Höhn gerne sieht.

Am Rande der Einweihung des Naturschutzzentrums traf sie sich gestern auf Einladung der Kreistagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen mit Aga Grütjen von der Verbraucherberatung Wesel und Thomas Michaelis von der Lokalen Agenda Hamminkeln, um über neue Wege in der Agrarpolitik zu sprechen. Zusammen mit den Verbraucherzentralen will Höhn die regionale Vermarktung vorantreiben, so wie sie in einigen Regionen Nordrhein-Westfalens bereits existiert. "Eifelfleisch" und andere Namen rühren daher. Und so plädiert die Ministerin für ein Qualitätssiegel auf Bundesebene, das nur dann verliehen wird, wenn bestimmte Kriterien in Sachen Viehhaltung, Fütterung, Anpflanzung und Tiertransporte erfüllt sind.

Auch für regionale Siegel spricht sie sich aus und rät Thomas Michaelis, auf jeden Fall weiter aktiv zu bleiben. Er hatte zuvor auf die Probleme aufmerksam gemacht, die die Bauern hätten - auch wenn sie willig seien beispielsweise weniger Mais anzubauen, weniger Herbizide einzusetzen und weniger große Viehbestände zu halten. Schließlich seien die Anforderungen extrem hoch, um in den Genuss der entsprechenden Förderprogramme zu kommen. Ein Beispiel: Das geplante Angebot steht und fällt mit der Werbung. Im Bereich Marketing werde allerdings nur das Layout bezahlt, auf den Kosten für das Drucken von Infoheften und Broschüren blieben die Landwirte selbst sitzen. Oder: Einen Zerleger für die regional produzierten Tiere zu finden sei kein Problem, dafür gebe es Schwierigkeiten im Bereich Vermarkter. Kaum einer möchte nur dieses - dann natürlich teurere - Fleisch anbieten, und auch ein Nebeneinander regionaler und ortsfremder Ware werde nicht gewünscht. Da bleibt die ohnehin bestehende Verunsicherung der Verbraucher groß.

Eine Zeitlang, so Aga Grütjen, sei es vielen egal gewesen, ob die Butter aus Mecklenburg-Vorpommern oder vom Niederrhein komme, Hauptsache sie war billig. Mittlerweile stehen in der Verbraucherberatung die Telefone nicht mehr still und die Hefte mit den Adressen für den Einkauf ökologischer Produkte gehen weg wie warme Semmeln.

Auch Bärbel Höhn weiß, dass die Nachfrage nach Öko-Produkten das Angebot übersteigt, in Großstädten immer mehr Öko-Supermärkte öffneten. Eine Entwicklung, die der Lebensmitteleinzelhandel mit Sorge betrachte. Schließlich sehe mancher seine Felle davonschwimmen.

Hubert Kück, Sprecher der Grünen-Kreistagsfraktion, brachte es auf den Punkt. "Klasse statt Masse" müsse die Devise lauten. Er und seine Mitstreiter wollen sich auf jeden Fall weiter für eine regionale Vermarktung einsetzen.

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